Große Stärken – und großer Reformbedarf

Die Verwaltung hat große Stärken – und einen großen Reformbedarf
Beides wahr.

 

Die deutsche Verwaltung hat große Stärken: eine große Sachlichkeit, Verlässlichkeit und Kompetenz, eine geringe Korruptionsneigung. Die meisten Bürger bewerten den Service „beim Amt“ als zufriedenstellend. Beamte genießen ein höheres Vertrauen als etwa Unternehmer oder Journalisten.

Alle fünf bis zehn Jahre bewältigt Deutschlands Verwaltung auch eine große Sondersituation oder sogar Krise. Im Zuge der Wiedervereinigung entsandten die meisten Behörden zahlreiche Mitarbeiter in die neuen Bundesländer; binnen weniger Jahre hatte Ostdeutschland eine ebenso gute Verwaltung wie Westdeutschland. Die Hartz Reformen erhöhten erheblich die Transparenz und Effektivität der Arbeitsverwaltung; zusätzlich wurden jährlich zehn Milliarden Euro eingespart und die Sozialbeiträge der Arbeitnehmer und Arbeitgeber entsprechend gesenkt. Auch die dauerhaft gestiegenen Flüchtlingszahlen wird die Verwaltung letztlich stemmen.

Alles gut also? Nein, das sicher nicht. Die Stärken sind eine gute Basis, aber man muss auf ihnen aufbauen – und das nicht nur, damit die Verwaltung in der nächsten Krise schneller reagiert. Der öffentliche Sektor mit seinen knapp 4,7 Millionen Mitarbeitern ist überaltert – über 55 Prozent der Beschäftigten haben die 45 bereits überschritten, in den nächsten 10 Jahren gehen ein Fünftel der Beamten in Rente. Dann brauchen wir viele neue Lehrer, Professoren, Polizisten und Verwaltungsbeamte – und das in einer schrumpfenden Bevölkerung, in der den jungen Menschen unzählige andere Türen offen stehen.

Die Verwaltung ist zugleich groß und zersplittert. Viele Professionalisierungswellen, die den privaten Sektor effizienter gemacht haben, sind am öffentlichen Sektor vorbeigegangen. Beispielsweise verwaltet fast jede Behörde sich noch selbst, ob im Personal- und Haushaltswesen oder im Einkauf; viele Ressourcen gehen in die Verwaltung der Verwaltung, statt in den Dienst am Bürger. 

Auch der Bürger spürt die Zersplitterung. Übergreifende Lösungen etwa in der Digitalisierung fehlen. In einzelnen Lebenslagen, wie der Geburt eines Kindes, muss er mit vielen Behörden in Kontakt treten, viele Informationen doppelt und dreifach weitergeben, die Reibungsverluste an unklaren Schnittstellen ausgleichen.

Die Aufgabe lautet: wir müssen jetzt die Strukturen verbessern, und die anstehende Pensionierungswelle nutzen: in den nächsten 10 Jahren mehr Lehrer, mehr Sozialarbeiter, mehr KiTa-Erzieher, mehr Polizisten einstellen, und dafür die Verwaltung der Verwaltung schlanker und digitaler machen.  

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